Der Japanische ”Kinki Music Critics Club” hat für Jahr 2003 den Preis der Musikkritiker Sakai City Opera Company und dem Dirigent Arild Remmereit zugeteilt. Der Preis wirt für ihre hervoragende Aufführung von Puccinis Il Trittico gegeben. Sie erhielten auch Land Osaka's Preis der Kunst.

PRESSESTIMMEN

Pressestimmen Jahre 2003 und früher
Detroit Symphony Orchestra, USA August 2007

Mussorgsky : Nacht am kahlen Berge
Prokofiev : Ausschnitte aus Romeo und Julia
Grieg: Ausschnitte aus Peer Gynt

Detroit Free Press
Remmereit ist kein Geheimtipp mehr.
Amerikanische Orchester stehen schlange, um ihn unter Vertrag zu bekommen, und der ganze Trubel um ihn ist wohl verdient.

Mit dem Programm bewies Remmereit eine energetische Präsenz. Er gestaltete die Musik mit einer überwältigenden Mischung aus genauer Vorbereitung und freier Spontanität und erziehlte ein gefühlvolles und aktives Spiel vom Orchester.

Remmereit war am lyrischsten und gelöstestem bei seiner Heimatmusik, Grieg’s „Peer Gynt“. In der Auswahl der Sätze der zwei Suiten, findet er sein eigenes arrangement von idealer Balance, exotischen Heimatfarben, Volkstanzrhytmen und einer durchdringenden Unterzeichnung von sehnsüchtiger Nostalgie. Die Streicher beweinten emotional den Tot von Peer’s Mutter und die Dämmerung brach mit einer warme briese der Holzbläser herein.

Lassen Sie uns hoffen, dass das Orchester ihn nicht aus den Augen verliert. He is the real deal!!!

Wiener Symphoniker, Musikverein, Mai 2007
Mussorgsky: ”Chowanschtscina”
- Vorspiel (Morgendämmerung am Moskwa-Ufer) und
Intermezzo zum 4.Akt 2.szene (Golizyns Abreise)
Strauss: Vier letzte Lieder (Sopran Luba Orgonásová)
Sibelius: Symphonie Nr. 2

Wiener Zeitung
Ein Hauch von Verrücktheit

Wahrscheinlich gehört nicht nur Mut, sondern sogar ein Hauch von Verrücktheit dazu, Jean Sibelius’ Zweite Symphonie so zu dirigieren, wie es Arild Remmereit am Pult der Wiener Symphoniker macht. Steigerungswelle um Steigerungswelle brandet auf den Zuhörer ein. Die Motivrepetitionen bekommen etwas von schamanistischen Beschwörungsformeln. Die Bläserentladungen geschehen wie in Ekstase.

Und doch: Diese Interpretation des finnischen Komponisten durch den norwegischen Dirigenten ist nicht nur emotional aufgepeitscht und aufpeitschend, sondern auch unfassbar genau: Diese Balancen und dynamischen Abstufungen hat man zwar noch nicht gehört, aber so sie stehen in der Partitur. Remmereit wagt es, sie quasi wörtlich zu nehmen. Und mit einer Glut zu erfüllen, dass diese Musik als Vorbote eines folkloristisch getönten Expressionismus wahrgenommen wird. Eine Überinterpretation? – Wenn ja, eine aufregende. Sogar eine geniale. So muss Sibelius für unsere Gegenwart gespielt werden!

Nicht minder beklemmend und beglückend zugleich das Vorspiel und der Abschied des Fürsten Golizyn aus Modest Mussorgskis Oper ”Chowanschtschina”. Klug, dass Remmereit die Schostakowitsch-Fassung wählt, die Mussorgski’s Schroffheiten nicht glättet. Und er lässt die Musik weitbogig in einer Aura von Schönheit und Schmerz erstrahlen. Die gespannte Statik des Golizyn-Abschieds ist wahrhaft einzigartig.

Obendrein gelingt es Remmereit auch, den wunderschönen, aber nicht unbedingt raumfüllenden Sopran von Luba Organásˇová mit dem kammermusikalisch fein aufgefächerten Orchester so zu stützen, dass Richard Strauss’ ”Vier letzte Lieder” als vokal-symphonischer mit eingebetteter Singstimme zur Geltung kommen.

Und das Orchester – fast nicht wiederzuerkennen! Minutiös ausbalanciert, präzise, klangschön: Alle Symphoniker-Tugenden in Steigerung. Und Remmereits Achterbahnfahrt der Emotionen machen die Musiker auch noch mit. Sehr klug von Musikvereins – Chef Thomas Angyan, nicht nur auf die Spitzendirigenten von heute zu setzen, sondern sich auch derer von morgen schon jetzt zu versichern!

Das Publikum zeigte sich entsprechend begeistert.

Württembergische Philharmonie Reutlingen September 2006
Mussorgski: ”Eine Nacht auf dem kahlen Berge”
Mozart: Klavierkonzert Es-Dur KV271 (Jeunehomme).
Solistin Jasminka Stancul
Borodin: Symphonie Nr.1 Es-Dur

Wienerzeitung
Rhythmus, der Puls des Lebens
Wiederbegegnung mit dem norwegischen Dirigenten Arild Remmereit.
Alexander Borodins faszinierende, aber teuflisch schwierige Erste Symphonie: Das Orchester steigert sich sozusagen über die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit hinaus. Energiegeladen der erste Satz, präzise pointiert das Scherzo, mächtig aussingend der Spannungsbogen des langsames Satzes, frenetisch gesteigert der Taumel des letzten – da bleibt dem kritischesten Kenner nur noch eines, nämlich in die allgemeinen Ovationen miteinzustimmen. Fulminant!

Wiener Symphoniker Februar 2005
Tschaikowsky: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 G-Dur op. 44
Beethoven: Symphonie Nr. 3 Es-Dur op. 55

Wiener Zeitung 18.02.2005
Musikverein: Leonskaja/Symphoniker/Remmereit

Der Einspringer als die Sensation

Von Edwin Baumgartner
"Einspringerbonus" nennt man in der Regel die Nachsicht, die Musiker und Publikum einem kurzfristig antretenden Künstler entgegenbringen. Arild Remmereit definierte das Wort neu: In seinem Fall hatten den Bonus die Musiker und das Publikum. Rafael Frühbeck de Burgos hatte krankheitsbedingt abgesagt. Thomas Angyan riskierte und setzte auf den bisher als Insider-Tipp gehandelten norwegischen Dirigenten - womit ein Teil des künstlerischen Triumphes dem Musikvereins-Chef gebührt. Und den Wiener Symphonikern, die jeden Anflug von Bequemlichkeit überwanden und eines ihrer aufregendsten Konzerte der letzten Zeit spielten. Eines jener Konzerte, von denen jene, die es hörten, vielleicht einmal sagen werden, sie seien "damals dabei gewesen".
Zu Beginn gab's Tschaikowskijs bestes Klavierkonzert, nämlich sein zweites. Dieses G-Dur-Konzert, eine eigentümliche Mischung aus symphonischen und virtuos gesteigerten konzertanten Abschnitten inklusive eines in die Nähe eines Tripelkonzertes gerückten langsamen Satzes, war bei Solistin Elisabeth Leonskaja naturgemäß in den besten Händen: Weil die Leonskaja eben nicht nur virtuos auftrumpfte, sondern dem Werk eine Leichtigkeit und Grazie verlieh, die im Finale gar nicht russisch klang, sondern fast die Luft des Montmartre atmete. Remmereit wählte kluge Balancen, wodurch er der mehligen Instrumentierung entgegenwirkte. Und unterlegte, ganz kundiger Begleiter, den Solopart mit erlesenem Schönklang voller Duftigkeit und Noblesse.
Dann die Sensation des Abends: Remmereits Interpretation von Beethovens Dritter Symphonie, von den Symphonikern mit einzigartiger Präzision mitvollzogen, reiht sich ein in die kühnen Beethoven-Lesarten, die Bernstein, Harnoncourt und Rattle wagten. Wobei Remmereit die ärgerlichen Manierismen des Letztgenannten klug vermied.
Für Remmereit ist Beethoven primär Rhythmiker. Schon im ersten Satz gelingt es ihm, aus der Motorik heraus die Spannungen aufzubauen und den Gestus eines frenetisch gesteigerten Tanzes zu entwickeln. Den zweiten Satz lässt Remmereit in sehr langsamem Tempo vorgetragen. Jedes rhythmische Detail, jede Synkope, jedes Sforzato sitzt wie ein Hieb in die Magengrube. Fast scheint Mahler in der Nähe. Dieser Trauermarsch hat nichts Feierliches. Er nähert sich dem Nihilismus. Tröstende Passagen stehen wie beziehungslos im Raum. Denn der Trost hat seine Bedeutung verloren in einer Umgebung, in der insistierende rhythmische Gestalten nur noch Erstarrung künden.
Wie Remmereit es schafft, den düsteren Schatten dieses großen, unendlich beklemmenden Marsches auch über das wie besessen vorangetriebene Scherzo zu legen und auch im emphatisch aufgepeitschten Finale den Einbruch dieser Tragik deutlich zu machen, ist einzigartig. Hier erweist sich, dass Remmereit nicht Satz für Satz interpretiert, sondern die "Eroica" als eine Einheit auffasst, die in vier Aspekte gegliedert ist. In keinem Augenblick gerät in Vergessenheit, was vorher war. In jedem Moment zeichnet sich ab, wohin es geht. Auch, wenn der Weg in schwindelnde Abgründe führt, die der genusssüchtige Musikkonsument nicht so gerne in dem vermeintlich abgespielten Werk hört.

Die Presse 18.02.2005
Routine gegen frische Musizierlust

VON PETRA HAIDERER (Die Presse) 18.02.2005

Kurt Masur gastierte im Konzerthaus, ein junger Einspringer überraschte im Musikverein.
Er heißt Arild Remmereit, kommt aus Norwegen und hat seine Bewährungsprobe im Goldenen Saal glänzend bestanden: Rafael Frühbeck de Burgos musste den Auftritt mit den Wiener Symphonikern krankheitsbedingt absagen. Remmereit übernahm Konzert und Programm: Tschaikowskys selten gespieltes Zweites Klavierkonzert mit Elisabeth Leonskaja als Solistin und Beethovens "Eroica". Schwungvoll, ideenreich und voller Musikalität mischte sich der temperamentvolle Dirigent den Orchesterklang in feinen Schattierungen. Frisch, akzentuiert entstand der Kopfsatz der Es-Dur-Symphonie. Enorme Spannung konnte Remmereit im Trauermarsch halten - bei risikoreich langsamem Tempo. Manchmal verblüffend die Strukturen, die er mit dynamischer Raffinesse zum Vorschein brachte. Kleine Unsicherheiten im Scherzo korrigierte er mit knapper, markanter Gestik, im Finale balancierte er zwischen geheimnisvoller Dramatik und verschmitzter Noblesse.
Die Balance zwischen wuchtiger Virtuosität und zarten harmonischen Wendungen gelang auch Leonskaja. Einige verirrte Akkorde zu Beginn lösten sich in animiertes Musizieren im Dialog mit dem Orchester. Saftig und doch transparent die Streicher, duftig das Holz. Feinsinnig

Kronen Zeitung 18.02.2005

Musikverein:

Der junge Arild Remmereit übernahm für den erkrankten Rafael Frübeck de Burgos die Leitung der bestens disponierten Wiener Symphoniker: Eine Chance für den Norweger, der eine Meisterklasse bei Zubin Mehta besuchte, Assistent bei Bernstein und Jansons war und seit 1987 in Wien seine Studien bei Karl Österreicher perfektioniert hat.
Mit genauen Einsätzen und dramatischer Gestaltungskraft eroberte er sich jetzt die Zustimmung der Symphoniker und des Publikums. An Beethovens “Eroica” zeigte Remmereit technische Reife, eine elegante-extrovertierte Dirigierweise und perfektes Interpretations- und Gestaltungsvermögen.
Elisabeth Leonskaja spielte Tschaikowskys 2. Klavierkonzert, G-Dur: technisch virtuos, ausdrucksstark! Voll kammermusikalischer Qualität wirkte im 2. Satz das Zwiegespräch der Solovioline und dem Soloviolincello.
H.M.

Münchner Philharmoniker    23-24-25. Januar 2005
Prokofjev: Symphonischen Konzert für Cello und Orchester
in E-minor opus 125.
Solistin: Ha-Na Chang.
Tschaikowsky: Symphonie no 5 in E-minor opus 64.

 Süddeutsche Zeitung  (Klaus Kalchschmid)

Tschaikowsky als Ereignis.

Die Philharmoniker unter Arild Remmereit glänzen mit einem anspruchsvollen Programm. Er sprang ein und siegte mit Tschaikowskys Fünfter und den glänzend disponierten Philharmonikern, der 43-jährige Norweger. Doch zunächst war die junge Koreanerin der Star in Prokofjews fantastisch vielsichtigem und hoch virtuosem Symphonischen Konzert für Cello und Orchester. Waren die Münchner Philharmoniker schon bei diesem anspruchsvollen Prokofjew-Konzert zuverlässige Partner und Arild Remmereit ein präzise schlagender und befeuernder Partner, so wurde die Aufführung von Tschaikowskys Fünfter zum Ereignis. Selten hört man diese Symphonie mit einem derartigen Furor, einer solchen Intensität, so voller, intensiver Steigerungen und dabei in der Klangbalance so ausgewogen, dass trotz dreifachen Forte nie der Eindruck von undifferenziertem Lärm entsteht. Sensibel und klug disponierend modulierte Remmereit Übergänge wie Ritardandi und bewies ein untrügliches Gespür für die Architectur des Stücks. Schon die langsame Einleitung war innig und mit großem Atem gespielt. Die Trios zwischen den fein ausschwingenden Walzer-Teilen des dritten Satzes vibrierten von Nervösität. Doch das Finale überstrahlte alles und wurde von Remmereit so klug geschichtet, dass der Eindruck einer fortwährenden Beschleunigung entstand. Ovationen.

 

Münchner Merkur  ( Gabriele Luster)

Absagen bergen Chancen- zumindest für die Einspringer: Arild Remmereit nutzte sie, als er zum ersten Mal ans Pult der Münchner Philharmoniker trat.  Dass der vom Publikum gefeierte Norwegishe Dirigent dort nicht zum letzten Mal stand, ist anzunehmen. Denn das Orchester ließ sich von ihm freudig herausfordern, rief in Tschaikowskys Fünfter Erinnerungen an Celibidache-Zeiten wach. Zumindest was die Klangkultur betraf, beim Tempo legte der 43-Jährige schon mal ein bisschen zu. Doch trotz turbomäßig beschleunigter Accelerandi, die im vielfachen Forte des Finalsatzes gipfelten, verriet Remmereit die Musik nicht an dröhnende Oberflächlichkeit. Viel zu sensibel hatte er die vorangegangenen Sätze ausgehorcht, hatte auf ein suggestives, breites Andante zu Beginn das Orchester mit einer unglaublich spielerischen Leichtigkeit im Allegro antworten lassen. Er leuchtete Tschaikowskys Partitur dynamisch wie agogisch differenziert aus, setzte auch in den massiven Entladungen auf sehnige, straffe Energie, sodass die Musik kein Fett ansetzen konnte. Dass Remmereit sein Kapellmeisterhandwerk versteht, hatte er in Prokofjews selten gespieltem,weil haarigem Cellokonzert beweissen können,- als sicherer Koordinator im Zusammenspiel von Orchester und phänomenaler Solistin.

Es war ein Erlebnis.

Brünn Philharmonie Orchester Februar 2004
Grieg, Nielsen, Sibelius.

Rovnost.
Der ganze Abend war geprägt von Impressionen des Nordens: Seiner characteristiken Mentalität und seiner meditativen Seite.
Griegs “Norwegische Tänze” war ein wohltuender Ausflug in die Welt einer Folklore, die rauher und wilder ist als die Tschechische .
Der Klarinettist Dimitri Ashkenazy brillierte im Stück von Nielsen und faszinierte das Publikum indem er vorzüglich die Differenzierung zwischen Ton und Klangfarbe heraus arbeitete. Die zweite Symphonie von Sibelius bildete den Höhepunkt des Programms. Arild Remmereit offenbarte sein Potential: Ausdrucksstärke, die Fähigkeit, die enormen Klangkontraste in einem organischen Ganzen zu vereinen. Er schuf beinahe bildlich ein lebendiges Gemälde des Nordens mit seiner monotonen Weite, mit seiner Nostalgie, mit seinen stürmischen Impulsen – manchmal sogar in suggestiver “Wagner-Manier” – und er trieb das Orchester an zu einer fesselnden Performance.
Die kathartische Wiedergeburt des Themas am Schluss gehörte zu den eindrucksvollsten Momenten des Konzerts.


Tonkünstler Orchester Februar 2004
Weber, Schumann, Bruckner.

Wiener Zeitung
In Musikverein: Viel Mut zum Risiko.
Der Interpretationssatz von Arild Remmereit ist grundlegend anders und extrem riskant: Er legt das Gerüst des Werkes bloss, macht auch das Missglücken einzelner Passagen hörbar. Die Modernität des Werkes tritt offen zutage. Remmereits Weiträumigkeit konsequent vermeidender Zugriff ist kühn,- aber berechtigt, zumal die “grossen Bögen” in das Werk eher hineingelesen als herausgearbeitet werden müssten.
Da das Orchester die Vorstellungen des Dirigenten zudem präzise und klangschön umsetzte, war für eine polarisierende, allerdings auch spannende Auseinandersetzung mit Bruckner gesorgt.
Auch Schumanns Cellokonzert ist ein Problemkind: Viel zu opulent instrumentiert, lässt er dem Solisten wenig Möglichkeit zur Entfaltung. Remmereit gelang das Künststück Orchester und Solist ideal auszubalancieren.
In Webers “Euryante” Ouvertüre setzte Remmereit auf Dramatik, raute den Klang teilweise gewaltig auf, liess die Streicher aber auch wunderbar aussingen und die Bläser glanzvoll auftrumpfen. Ein herrliches Stück, von Remmereit und Tonkünstlern vollblütig, erregend, wunderbar umgesetzt.


Württembergische Philharmonie Februar 2004
Nielsen, Sibelius, Grieg.

Reutlinger Tagblatt.
Ferne Nähe, nahe Ferne
Arild Remmereits Gastdirigat: Als ginge die Sonne im Norden auf.
Die Philharmoniker und ihr famoser Gastdirigent Arild Remmereit haben berauschend, betörend, begeisternd Skandinavien geholt.
Da kam es einem Glückfall gleich, den Norweger am Dirigentenpult stehen zu sehen. Dirigiert er den Dänen Nielsen, den Finnen Sibelius, den Norweger Grieg, dann ist es zu spüren, dass diesem Mann die couleur locale gewissenmassen im Blute fliesst.
Beeindruckend war es, mitzuerleben, mit welchem Geschmack und Geschick Remmereit die Partitur von Carl Nielsens Helios-Ouvertüre sukzessive aufzufalten verstand: Mit welch kühnem klanglichem Kalkül hier das Erwachen der Natur begriffen wurde, mit welch elektrisierender Spannung Lautstärke und Tempo in feinste Abstufungen sich steigerte bis hin zum klangmagisch herbeigerufenem Aufgang der Sonne. Ein wahrhaft staunenswertes musikalisches Naturschauspiel das Dirigent und Orchester nahezu überwältigend glückte.
Auch in Griegs Schauspielmusik zu Ibsens “Peer Gynt” waren derart beglückende Momente lebendigen Musizierens zu hören, die in einem von Sympathie getragenem Gleichklang zwischen Dirigent und Musikern zu wurzeln schienen. Die Genauigkeit, Geradlinigkeit und dabei doch frappierende Eleganz von Remmereits souveränem Dirigat (ohne Taktstock, ohne Partitur) und sein starkes Aussenden inspirierender Impulse, - sie verströmten eine Art Fludium das von den Württembergern feurig aufgenommen und kongenial umgesetzt wurde.
Grosser Beifall für Solistin und Orchester, und einen Dirigenten, den man bitte bald wieder nach Reutlingen laden sollte.


Reutlinger General-Anzeiger.
Tonlandschaften voll Licht und Finsternis.
Die Württembergische Philharmonie präsentierte ein stimmig aufgebautes skandinavisches Programm: Intensive Schilderung von Atmosphärischem, von Stimmung, Raum und Licht, verbunden mit einem Hang zum Tänzerischen, bildete den roten Faden des Programms. Klingende Landschaftsmalerei war das gewissermassen, mal hell und strahlend und sich weit zum Horizont hin öffnend, wie in der den Lauf der Sonne nachzeichnenden “Helios”- Ouvertüre des Dänen Carl Nielsen; mal düster und zerklüftet wie im Violinkonzert des Finnen Jean Sibelius; oder ins Bizarre, Fantastische gezogen wie in der Bühnenmusik zu Ibsens Drama “Peer Gynt” des Norwegers Edward Grieg.
Von Griegs Landsmann Arild Remmereit mit ruhiger, aber entschlossener Hand geleitet – wenn es sein musste, machte sich der junge Skandinavier auch schon mal wild hüpfend und mit den Armen rudernd bemerkbar – zeigte die Philharmonie eine konzentrierte Vorstellung.
Das kosmische Summen der Celli am Anfang der “Helios”-Ouvertüre, das heikle Horn-Solo, das den Sonnenaufgang markiert, die ruhig schreitenden Streicherklänge, die Trompetenfanfaren: Alles saß, und vor den Zuhörern breitete sich ein aus sich heraus strahlendes Klangpanorama aus.
Wie der Schluss in “Aases Tod” beispielsweise auf hypnotisierende Art verzögert und zu Ende gedacht wurde; wie in der “Halles des Bergkönigs” die Klangfarben eine geradezu fiese Tönung annahmen; wie in den Streicherteilen des “Arabischen Tanzes” das Tempo ganz feinen Veränderungen unterzogen wurde - das alles zeigte, dass unter der hitverdächtigen Oberfläche dieser Stücke beängstigende Kräfte brodeln. Dermaßen unterschwellig bedrohlich hat man Griegs Musik selten gehört.



Schwäbisches Tagblatt.
Skandinavische Symphonie.
Gastdirigent Arild Remmereit eröffnete das, skandinavischen Komponisten gewidmete Konzert der Württembergischen Philharmonie mit der “Helios”- Ouvertüre von Carl Nielsen.
Remmereit gestaltete die harmonisch originelle, knappe symphonische Dichtung spannend. Er liess sich Zeit zur Vorbereitung des Durchbruchs aus der Dämmerung mit strahlendem Blech, markierte den Weg zum Zenit mit einer diskreten Beschleunigung und riskierte sowohl am Anfang, wie Schluss äußerstes Pianissimo.
Griegs Schauspielmusik zu Ibsens Drama “Peer Gynt” ist abwechslungsreich. Remmereit verstand es, das instrumentale Kolorit wirken zu lassen. Holzbläser-Reize in der “Morgenstimmung”, “Aases Tod” als Streicher-Requiem, Janitscharen-Kling-Klang der Schlagwerker im “Arabischer Tanz” gerieten hinreissend.
Ebenso das turbulente, finstere Final-Scherzo “in der Halle des Bergkönigs”, dessen rasanten Accelerando-Schluss Remmereit als Zugabe wiederholen liess. Offenbar prächtig verstand sich das Orchester mit dem vorzüglichen Gastdirigent.

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